14. Oktober 2026 · Archicad · BIM · IFC · OpenBIM
Archicad 30 – was die neue Version für Planungsbüros bringt
Graphisoft hat Archicad 30 vorgestellt. Wir haben uns angesehen, welche Neuerungen bei IFC, Dokumentation, Teamwork und KI für die tägliche Ausführungsplanung wirklich zählen – und wo man genauer hinschauen sollte.
Jedes Jahr im Herbst stellt Graphisoft eine neue Archicad-Generation vor – und jedes Jahr stellt sich in den Büros dieselbe Frage: Lohnt sich der Umstieg mitten im laufenden Projekt? Mit Archicad 30 ist es wieder so weit. Graphisoft hatte die Hauptversion für Anfang Oktober 2026 angekündigt, am 13. Oktober folgte die weltweite Online-Präsentation „Ignite“. Wann die lokalisierten Versionen für Deutschland, Österreich und die Schweiz im Einzelnen bereitstehen, sollten Büros bei ihrem Händler bzw. Graphisoft-Partner erfragen – die Angaben dazu sind derzeit nicht überall einheitlich.
Wir arbeiten täglich in Archicad und BIMcloud an Ausführungs- und Detailplanungen für Büros im DACH-Raum. Deshalb schauen wir weniger auf die Schlagzeilen als auf die Frage: Was ändert sich im Projektalltag?
IFC: Zonen und Bereiche sauber übergeben
Für die Koordination mit Fachplanern ist die wichtigste Neuerung aus unserer Sicht eher unscheinbar: Archicad 30 erweitert den IFC4x3-Import und kann Zonen, Morphs und andere klassifizierte Elemente beim Export auf IfcSpatialZone abbilden.
Das klingt technisch, hat aber einen praktischen Nutzen. Bereiche, die sich nicht mit einem einzelnen Raum decken – etwa Nutzungseinheiten, Wohnungen oder Brandabschnitte –, lassen sich damit als eigene räumliche Einheiten im IFC-Modell transportieren. Bisher landeten solche Informationen oft in Plänen, Listen oder Eigenschaften einzelner Räume. Für Brandschutz-, TGA- oder Facility-Management-Partner kann das die Prüfung deutlich vereinfachen – vorausgesetzt, die empfangende Software liest diese Elemente korrekt aus.
Zur Einordnung: IFC 4.3 ist als DIN EN ISO 16739-1 international genormt, und buildingSMART arbeitet bereits an IFC 4.4 sowie am webbasierten Ansatz „IFC X“. Die Richtung ist klar: weg vom reinen Dateiaustausch, hin zu strukturierten, abfragbaren Daten. Wer seine Modelle heute sauber klassifiziert, ist dafür gut aufgestellt.
Dokumentation und Projektorganisation
Ein großer Teil der Neuerungen betrifft das, was in der Ausführungsplanung die meiste Zeit kostet: Ordnung im Projekt.
- Projektinfo neu gestaltet: eigene Gruppen, Drag-and-drop, Suche und direkte Bearbeitung. Gerade bei Planköpfen mit vielen Projektdaten ist das eine echte Erleichterung.
- Navigator mit eigenen Ordnern: Ausschnitte lassen sich freier organisieren und sortieren.
- Bemaßung und Beschriftung: anpassbare Hilfs- und Maßlinien, neue Formen für Beschriftungsrahmen, bessere Legenden.
- Wände über mehrere Geschosse: präzisere Steuerung, wie Wände ober- und unterhalb des Bezugsgeschosses dargestellt werden.
- Treppen: Beläge pro Ansicht steuerbar, Komponenten lassen sich als Kern, Belag oder Sonstiges definieren.
Keine dieser Funktionen ist spektakulär. Zusammen können sie aber die vielen kleinen Handgriffe reduzieren, die bei Planständen, Indexänderungen und Werkplänen anfallen. Einen eigenen Schwerpunkt bei der Detailplanung nennt Graphisoft in dieser Version nicht.
Teamwork und BIMcloud
Für Büros, die mit externen Partnern im Teamwork arbeiten, sind zwei Punkte relevant:
- Ein eigenständiges Migrationswerkzeug soll mehrere Teamwork-Projekte gleichzeitig auf die neue Version heben.
- Über öffentliche Links lassen sich BIMcloud-Dateien und -Ordner ohne zusätzliche Lizenz teilen.
Unsere Erfahrung: Ein Versionswechsel im Teamwork sollte immer mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Wer ein Projekt migriert, während ein Partner noch mit der Vorversion arbeitet, verliert schnell Zeit.
KI: MCP-Schnittstelle und KI-Assistent
Die meiste Aufmerksamkeit bekommt das Thema KI. Archicad 30 bringt eine MCP-Schnittstelle (Model Context Protocol), über die externe KI-Werkzeuge auf den Projektkontext zugreifen, Fragen beantworten und Stapeländerungen ausführen können. Graphisoft kennzeichnet diese Funktion auf seiner Produktseite als Beta. Dazu kommen „AI Assistant Spaces“, mit denen der KI-Assistent eigene Dokumente wie Protokolle oder Vorschriften als Wissensbasis nutzt, sowie ein überarbeiteter AI Visualizer.
Wir sehen hier echtes Potenzial – etwa für wiederkehrende Prüfungen von Eigenschaften oder Massenänderungen. Gleichzeitig raten wir zu Augenmaß: Bevor Projektdaten oder Bauherrenunterlagen an KI-Dienste gehen, sollten Datenschutz und vertragliche Vertraulichkeit geklärt sein. Und eine Beta-Funktion gehört nicht in die Abgabe am Freitagabend.
Neu ist außerdem ein drittes Abo-Modell, Archicad Max, neben Studio und Collaborate. Konkrete Preise und Konditionen sollten Büros direkt bei Graphisoft oder ihrem Partner erfragen.
Was das für Planungsbüros bedeutet
Unsere Empfehlung für den Umstieg:
- Nicht mitten in einer Leistungsphase wechseln. Laufende Projekte bis zu einem sinnvollen Meilenstein in der bisherigen Version weiterführen.
- Vorlagen zuerst aktualisieren. Büro-Template, Eigenschaften, Klassifizierungen und IFC-Übersetzer in Archicad 30 testen, bevor Projekte folgen.
- IFC-Export mit den Fachplanern prüfen. Gerade die neue Zonen-Abbildung sollte an einem Testmodell mit der Software der Partner abgestimmt werden.
- KI-Funktionen klein starten. Erst an internen oder abgeschlossenen Projekten ausprobieren.
Unser Fazit
Archicad 30 ist keine Revolution, sondern ein solides Arbeitsupdate mit einer klaren Botschaft: bessere Daten, bessere Ordnung, mehr Anbindung an KI. Für die Zusammenarbeit über IFC ist die Abbildung von Zonen als IfcSpatialZone der spannendste Schritt. Wir testen die neue Version derzeit in unseren eigenen Vorlagen und unterstützen Büros gern beim Übergang – von der Template-Anpassung bis zur IFC-Abstimmung mit Fachplanern.
Quellen
- Graphisoft: New Features in Graphisoft 2026 Product Lineup
- Graphisoft Community: Release Timeline for 2026
- AEC Magazine: Graphisoft unveils Archicad 30 and shares AI roadmap
- Bauen aktuell: Neues Produktportfolio von Graphisoft
- Graphisoft Center West: Graphisoft IGNITE 2026
- buildingSMART Deutschland: IFC-Roadmap nach Porto – Version 4.4 kommt, IFC 5 wird zu IFC X
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